Parteinahme, Profisport und der Fußball im geteilten Deutschland

Parteinahme, Profisport und der Fußball im geteilten Deutschland

Bevor die Ostdeutschen 1989 auf die Straße gingen und die Einheit des Landes nach mehr als 40 Jahren Teilung erzwangen, da war auch der Fußball in den beiden Staaten unterschiedlichen Prioritäten ausgesetzt. Natürlich spielte Freizeit eine große Rolle, dazu kam später der Unterhaltungsfaktor für die Massen, der Kommerz im Westen und die sozialistischen Vergleiche im Ostblock untereinander. Zugleich versuchten Politiker beiderseits der Elbe das runde Leder aber auch zu instrumentalisieren und das kulminierte im Spiel DDR gegen BRD bei der WM 1974 in Westdeutschland.

Weltmeister und Bundesliga

Der Westen war beim Fußball auch deshalb um Klassen besser, weil man den Vereinen von der Politik weder Vorgaben machte noch in den Spielbetrieb eingriff. Von Anfang an und mit der Gründung der Bundesliga in den 1960er Jahren blieb Fußball die Schnittstelle von Freizeitsport und massentaugliche Unterhaltung, das wurde schließlich zum Profibereich mit internationalen Stars und Gehältern in Millionenhöhe. Vereine wie Borussia Mönchengladbach, der Hamburger SV und vor allem Bayern München prägten die Sicht auf den westdeutschen Fußball und man konnte den Pokal der Landesmeister gewinnen, den UEFA Cup und vieles mehr, was auf dem grünen Rasen für Ruhm und Ehre steht.

Auch bei den Ländervergleichen war die BRD eine Wucht und gewann 1954 und 1974 die Weltmeisterschaft, dazu wurde man auch noch 1972 und 1980 Europameister. Spieler wie Beckenbauer, Netzer, Gerd Müller und Felix Magath sind heute immer noch bekannt und berühmt und im Grunde genommen ist ja auch die WM 1990 mit dem Turniersieg in Italien ein Verdienst von Westdeutschland, fand sich doch aus nachvollziehbaren Gründen kein Ossi im Team.

Olympische Medaillen im Fokus

Ganz anders war der Fußball in der DDR organisiert. Im Rahmen der FDGB Verbände wurden die Vereine von Hansa Rostock über Carl Zeiss Jena bis zu Dynamo Dresden oft Betrieben und Kombinaten angegliedert, der ökonomische Bezug liegt bei Namen wie Stahl Riesa oder Anker Wismar offen zutage. Die Spieler durften nur sehr selten wechseln, schon gar nicht ins Ausland, und wurden bei Auswärtsspielen im kapitalistischen Westen scharf überwacht. Dazu kam der offene Einfluss von Parteikadern wie Erich Mielke, der als Chef der Staatssicherheit bei seinem Lieblingsclub BFC Dynamo schon mal den Schiedsrichter unter Druck setzte oder andere Vorteile für die Mannschaft einführte. Die Sportführung hatte außerdem das Ziel nach internationaler Anerkennung ausgegeben und verfuhr nach dem Credo, dass Sportarten wie Schwimmen, Turnen oder auch Radfahren in der Summe mehr olympische Medaillen bringen als der Fußball und deshalb wurde das runde Leder in der DDR eher wenig gefördert.

Eine Begegnung für die Ewigkeit

Einmal allerdings kam es dann doch zum Duell und so trafen im Jahr 1974 beide deutsche Teams aufeinander. Das Ganze passierte ausgerechnet auch noch bei der WM in der Bundesrepublik und im Vorfeld gaben die Experten der DDR keine Chance. Aber es kam eben ganz anders und als Jürgen Sparwasser das entscheidende 1:0 für die Ostdeutschen schoss, da wurde zweifellos ein kurioser und ungemein spannender Eintrag für das Fußballgeschichtsbuch verfasst. Die SED Führung zog sich entsprechend sozialistisch daran hoch und lobte die Überlegenheit gegenüber dem Westen, was ein ganz gutes Beispiel für die Verzerrung im Sport und seine politische Nützlichkeit darstellen mag.