Deutsche Traditionsvereine im 21. Jahrhundert

Deutsche Traditionsvereine im 21. Jahrhundert

Aufgrund der langen Geschichte des Fußballs in Deutschland gibt es eine ganze Reihe von sogenannten Traditionsclubs in Ost und West. Dabei ist jedoch längst nicht jeder Verein immer noch so erfolgreich wie einst zu den goldenen Zeiten, doch der Bekanntheitsgrad mindestens in der Region und oft darüber hinaus ist hoch und das hat viele Gründe. Zugleich greifen sich heute immer mehr Investoren solche bekannten Namen und versuchen mit Geld und Know-how den Karren wieder flott zu machen, was in der BRD jedoch aufgrund von verschiedenen Regularien nicht so einfach ist wie beispielsweise in England. Nicht selten versammeln dazu einige solche Kultvereine mehr Zuschauer in unteren Ligen als reiche, teure Mannschaften in der ersten Bundesliga und es lohnt sich, diesem Phänomen im deutschen Fußball einmal näher auf den Grund zu gehen.

Im Osten eine Wucht

Nach der Wende 1990 und deutscher Einheit standen die ostdeutschen Clubs vor einem Problem: Obwohl mit reichlich Geschichte und vielen treuen Fans gesegnet konnte man nicht mal ansatzweise finanziell mit den neuen Herausforderern aus dem Westen mithalten und so stiegen reihenweise Vereine ab und fielen sogar mitunter die Bedeutungslosigkeit, die zu DDR Zeiten zur Ligaspitze gehört hatten. Bestes Beispiel dafür ist der Berliner BFC Dynamo, der zunächst seine Unterstützung durch SED Parteikader und dann die besten Spieler verlor, heute spielt der Club in der vierten Liga. Andere Traditionsmannschaften wie Dynamo Dresden, Hansa Rostock und der 1. FC Magdeburg stiegen ebenfalls ab, rappelten sich wieder auf und wurden zugleich oft von Glücksrittern und vorgeblichen Heilsbringern aus dem Westen beinahe in den Konkurs geführt. Trotzdem kommen auch heute noch tausende Zuschauer und die Tradition steht im Osten der Bundesrepublik immer mit auf dem Platz.

Jugendarbeit: Trotz aller Gleichmacherei und Auslöschung ostdeutscher Sportarbeit ist die Sichtung und Ausbildung von Talenten geblieben. Die alten DDR Schulen für die besten Sportler, das System der Jugendvernetzung und einiges mehr sind wieder im Kommen und die westdeutschen Vereine nutzen im 21. Jahrhundert gerne Strukturen, die in einem ganz anderen System erdacht wurden.

Finanziers und rote Bullen

Zugleich versuchen sich Investoren Platz zu schaffen und sind auf der Suche nach Einstiegsmöglichkeiten. In Deutschland gibt es beim Fußball aber die Regel, dass eine wenn auch winzige Mehrheit bei den Stimmrechten in den Händen des Vereins und damit auch der Mitglieder und Fans bleibt, ein Umstand, der wilde Spekulationen wie beispielsweise in der Englischen Liga bisher unterbunden hat. Allerdings schaffen sich Unternehmen wie Red Bull in Leipzig durch Umwege sehr wohl Mitsprache, statten einen Club entsprechend aus und es ist sicher nur eine Frage der Zeit, bis der geldgierige DFB als Verband an der Spitze auch arabischen Scheichs und russischen Oligarchen den Zugang zur deutschen Bundesliga öffnet.

Was wird aus der Fankultur?

Das ist am Ende immer die entscheidende Frage, schließlich wünscht man sich hierzulande keine Opernatmosphäre wie in den englischen Stadien, wo nur noch reiche Fans mit viel Geld ein Ticket erwerben können. Es gibt in Deutschland unzählige Fanclubs, die oft wichtige soziale und kulturelle Aufgaben in nicht selten verlassenen Regionen erfüllen, es gibt Ultras als Hardcore Anhänger, es gibt Hooligans und alles, was die Welt des Fußballs ausmacht. Man darf gespannt seyn zu beobachten, wie sich die Bundesliga weiterentwickelt, doch die Leidenschaft der Menschen für das Match auf dem grünen Rasen wird auf jeden Fall bestehen bleiben.